HINGABE - die zweite

May 20, 2019

 

 

Es ist schon eine Weile her, dass ich das letzte Mal zum Schreiben gekommen bin.....aber so ein kleiner Mensch hält einen ordentlich auf Trapp. Wenn das kleine Kind tagsüber (mal ausnahmsweise) schläft, sind andere Dinge wichtiger als Texte verfassen: eigene Körperpflege, nicht verhungern, Wäsche.

Dass ein Baby die ersten Wochen nur schläft, trinkt und pupst halte ich für ein Märchen. Unsere kleine Tochter hat es von Beginn an tagsüber vorgezogen, wach zu sein, und alles mit wachen Augen zu beobachten. Mit diesen wachen Augen kam sie auf die Welt. Kein Weinen, kein Schreien. Nur Verwunderung.

 

Wie ich schon in dem Text über die Hingabe schrieb, muss man sich bemühen, sich diesen Umständen hinzugeben. Wenn man sich versucht, dagegen aufzulehnen, wird es nur schlimmer.

 

Als ich den ersten Text hierzu schrieb, war ich ganz frisch schwanger und mir war furchtbar übel. Monatelang. Oft war mir sogar zu schlecht, um zu meditieren. Das muss man sich mal vorstellen.

Ich hatte mir eingebildet, ich werde eine von diesen vorzeige Yoga-Schwangeren, die ihre Praxis bis zur Entbindung fortsetzen kann und dann schwuppdiewupp mega easy das Baby auf die Welt bringt.

 

So war es bei mir nicht. Erst war mir zu übel für Yoga, dann zeigte mir mein Bauch, dass er die Dehnung nicht mag, dann war ich krank, dann hatte ich Bettruhe....und dann war das Baby schon da. Zumindest konnte ich mit Abnahme der Übelkeit wieder meditieren, was sehr schön war, um aus der Sorge ins Vertrauen zu kommen.

 

Seit unsere Tochter auf der Welt ist – also neun Wochen – bin ich insgesamt drei Mal dazu gekommen, zu meditieren....

Schon Jack Kornfield sagte, dass man keinen Zen-Meister braucht, wenn man ein kleines Kind hat. Ständig ist man dazu gezwungen, im Moment zu leben. Nicht im Vergangenen, nicht in der Zukunft. JETZT.

Und so bemühe ich mich, den Moment zu genießen. Ganz bewusst die Dinge zu tun, die ich tun kann. Das Baby halten. Stillen. Mit dem Baby plaudern. Sogar die Windel zu wechseln. Zu duschen. Zu atmen.

 

Prioritäten zu setzen: Was ist jetzt wichtig? Dass das Baby mich anlächelt und interagieren möchte? Dass ich noch Wäsche waschen, aufräumen, den Keller aussortieren, die Überweisung machen muss?

 

Immer wieder entscheide ich mich für das Baby: die Momente sind so kostbar und keiner weiß, wie viele von ihnen es gibt, wie viele uns geschenkt werden.

 

Mit solch einem kleinen Wesen wird mir die Vergänglichkeit und das Wunder dieses Lebens jeden Tag bewusst.

 

Wenn ich mir Mühe gebe, meditiere ich so auf eine andere Art, aber dafür jeden Tag mehrmals, über das Wunder und die Liebe dieses Lebens: in dem Lächeln meines Kindes, in dem friedlichen Schlaf meines Kindes und auch in den ruhigen Momenten in der Natur, wenn ich die Kleine durch die Gegend schiebe.

 

Statt sich gegen die Veränderung zu stemmen, gebe ich mich ihr hin, und habe Vertrauen, dass es so richtig ist, wie es ist.

 

Namasté,

Eure Charlotte

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