WER BIN ICH?

October 15, 2018

 

 

 

Wer bin ich eigentlich?

 

Diese Frage beschäftigt jeden irgendwann einmal. Im Versuch, sich selbst eine Form zu geben, benutzen wir allerlei Attribute.

 

Ich bin eine Frau.

Ich bin Vegetarierin.

Ich bin Yogini.

Ich bin ....

 

Ein interessanter Gedankengang in einem Gespräch letztes Wochenende, als ich die ersten Tage meines Studiums zur Traditionellen Chinesischen Medizin erleben durfte, war:

 

Schaffen wir dadurch nicht unnötige Distanz?

Ziehen wir nicht eine unnötige Grenze zum Gegenüber?

Und: begrenze ich mich damit nicht auch selber?

 

Und: warum machen wir das überhaupt?

 

Ein Erklärungsversuch wäre vielleicht, dass wir dies aus einer gewissen Unsicherheit heraus tun., weil die eigentliche Antwort auf diese große Frage viel zu einschüchternd ist.

Wer bin ich, wenn ich alle äußeren Attribute weglasse? Was bleibt von mir übrig, wenn man Beruf/Religion/Namen/Titel/Sozialer Hintergrund weg nimmt? Was ist, wenn da nichts mehr bleibt?

In unserer Gesellschaft gehören diese Merkmale dazu, um uns einzuordnen im großen Gefüge. Und damit das Gegenüber einordnen kann. Einerseits schafft das Gemeinschaftsgefühl, wir können uns etwas zugehörig fühlen: einer Gruppe, einer Glaubensgemeinschaft und fühlen uns nicht mehr alleine.

 

Aber trennen wir damit nicht sogar manchmal, was uns betrifft und was nicht?

 

Warum sollte mich dann zum Beispiel treffen, dass es Kinder gibt, die unserem wohlhabenden Land kein warmes Essen am Tag bekommen? Das betrifft die soziale schwache Schicht, zu der ich nicht gehöre.

Was habe ich damit zu tun, dass es Menschen gibt, die 45 Jahre lang arbeiten, um dann mit einer unwürdig niedrigen Rente alt zu werden?

Was soll mich quälen, dass es alte Menschen gibt, die sich zum Geburtstag nicht einmal ein Stück Kuchen zum Geburtstag kaufen können, geschweige denn neue Winterschuhe (und dann den ganzen Winter in der Wohnung bleiben)?

 

Wenn ich anerkenne, dass ich in allererster Linie ein wertvolles menschliches Wesen bin, völlig unabhängig von Status/Beruf/Einkommen/Geschlecht/Religion, kann ich das einem anderen nicht mehr absprechen. Dann ist auch der Bettler auf der Straße, das hungernde Kind in Afrika, und ja auch Trump, ein menschliches Wesen mit allen Freuden und Sorgen und Wundern.

Ich erkenne, dass wir alle gleich sind und alle im gleichen Boot sitzen. Dann ist das Leid des verarmten Rentners und des vernachlässigten Kindes auch mein Leid und ich kann davor die Augen nicht mehr verschließen. Ich kann mich nicht mehr durch künstliche Attribute, die ich mir über Jahre hinweg angesammelt habe, rationale Distanz schaffen, weil das Leid fühlbar wird.

Ich erkenne, dass mein Leben, meine Entscheidungen, auch Auswirkungen auf alle anderen hat. Jede Konsumentscheidung, die ich treffe, jedes böse Wort, das ich sage, jede Nachlässigkeit. Aber auch jede liebevolle Geste, jedes mitfühlende Wort, jedes Mitgefühl.

 

Wenn wir es also schaffen, uns selbst, unser wahres Selbst zu erkennen, sind wir nicht mehr allein.

 

Und das ist doch eigentlich wunderschön, oder?

 

Liebe geht raus an Euch alle, habt eine schöne Woche,

Charlotte

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