FOLGE DEINEM HERZEN

September 20, 2018

 

 

 

Die letzten 14 Monate meines beruflichen Lebens waren eher durch Umbruch und Veränderung geprägt als durch einen konsequenten Ablauf.

 

Im Sommer 2017 schrieb ich in mein Notizbuch, dass ich eine neue Strategie brauche, dass ich in meinem aktuellen Job, mit den vorherrschenden Bedingungen nicht glücklich sein würde. Ich wünschte mir ein gutes Angebot, um mit erhobenen Hauptes die Unfallklinik Murnau verlassen zu können.

Und im Nachhinein kann ich nur sagen: „Be careful what you wish for. It actually may come true.“

Ich bekam das Angebot, als Oberärztin in eine kinderorthopädische Abteilung zu gehen. Danke, Universum. Ich überlegte hin und her und entschied mich dafür.

Ich verließ die Klinik, in der ich 8 Jahre mit Herz und Seele gearbeitet hatte, zum 1. Oktober...und nahm mir erst mal drei Monate Zeit, mich wieder zu finden.

Ich übte unheimlich viel Yoga, meditierte, beendete meine Yogalehrerausbildung, fuhr auf mein erstes Yogaretreat, besuchte Freunde, fuhr auf den Websummit, und ja, ließ mich auch Coachen. Ich ließ mich auf meine dunklen Seiten ein, ging durch das Feuer, und entstieg diesem stärker als zuvor. Und vor allem mit so viel Liebe in mir (siehe hierzu auch den Text wie ein ruhiger See).

Es war eine sehr wertvolle und lehrreiche Zeit.

 

Am 1. Januar 2018 startete ich den neuen Job. 1,5 Fahrstunden von meinem Zuhause entfernt. Ich versuchte es, brachte mich ein, wie ich es gewohnt war. Mit Herz, Seele und Feuer. Ich brachte all meine Energie ein und spürte, dass ich sehr angestrengt war. Ich kannte dieses Gefühl und merkte leider schnell, dass ich damit nicht glücklich war. Obwohl ich natürlich auch einen gewissen Stolz spürte, so jung operierende Oberärztin zu sein, geschah etwas ganz Entscheidendes nicht: mein Herz tanzte nicht.

Ich beobachtete dies sehr aufmerksam und prüfte, woran das wohl liegen mag. Nach Wochen des Analysierens, Szenarien Durchspielens und Hinterfragens wusste ich eine Sache mit unerschütterlicher Bestimmtheit: das ist nicht mein Weg. Ich wusste nicht, was ich anderes machen sollte, aber ich wusste, dass ich diesen Job nicht weiter machen würde. Und kündigte. Ohne Plan B und doppelten Boden.

 

Ich überlegte, was ich suchte. Weil ich so viele Ideen hatte, malte ich mir aus, wie ein Job, der mich zwar interessierte, aber nicht verbrannte, aussehen sollte. Ich wollte mit dem Fahrrad hinfahren können, Freiräume haben, um mich zu entwickeln, Medizin machen, ohne mich selbst zu verlieren. Zeit haben, um herausfinden zu können, was ich wirklich machen möchte.

 

In dieser Stimmung traf ich jemanden von früher, der sofort fragte, wie es mir in meinem neuen Job gefiele. Und ich antwortete trocken, dass ich schon wieder arbeitslos sei, weil ich nach acht Wochen gekündigt hätte. Auf den ersten Schock sagte er, dass sie in der Rehaklinik gerade jemanden suchen. Eine Oberarztstelle sei es. Ich könne es mir ja mal angucken.

Am selben Abend noch kam eine Nachricht, dass er mich nicht überrumpeln wollte, dass er sich aber so gefreut habe, mich zu treffen, und sehr gerne wieder mit mir zusammen arbeiten wolle.

Zwei Tage später habe ich mir die Stelle angeguckt. Und war begeistert. Ich fühlte mich wohl. Die Menschen um mich herum waren alle freundlich, es gab keinen Konkurrenzkampf, sondern eine Kollegialität, die ich in der Medizin so noch nie gefunden hatte.

Tja, was soll ich sagen. Ich nahm die Stelle an. Und bin zufrieden, wie noch nie zuvor. Ich lerne jeden Tag neue Dinge, habe Zeit und Kapazität, mich weiter zu entwickeln, zu schreiben, Yoga zu unterrichten. Und fahre zu einer perfekten Zeit am Nachmittag nach Hause und habe immer noch Energie, schöne Dinge zu machen. (Was zu Zeiten der Chirurgie nie so war. NIE!)

Also kurz zusammen gefasst: die Prestige trächtige Chirurgie (zumindest für die nächste Zeit, hach Wehmut) an den Nagel zu hängen und stattdessen in der orthopädischen Reha zu arbeiten war eine der besten Entscheidungen, die ich treffen konnte – oder vielmehr: das erste Mal in meinem Leben das Herz entscheiden zu lassen und nicht den Ehrgeiz.

 

In schwachen Momenten bin ich natürlich ein bisschen wehmütig, weil ich immer gerne im OP war. Angefeuert wird dies auch kurz, wenn mir jemand sagt, ich solle mein Potential nicht verschwenden.

 

Aber diese Momente sind nur ganz kurz. Was nützt mir mein Potential, wenn ich nicht glücklich bin?

 

 

Hört auf Euer Herz und nicht auf das, was Euer Ego , Eure Umgebung oder die Gesellschaft Euch weis machen will.

 

Alle Entscheidungen, die ich in dem letzten Jahr mit dem Herz getroffen habe, waren die besten meines Lebens.

 

Viel Liebe,

Charlotte

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