Minimalismus und Konsum

July 9, 2018

 

 

 

 

Über Minimalismus habe ich mir schon viele Gedanken gemacht. Sein Leben nur noch mit wenigen materiellen Dingen zu füllen, um mehr Raum – physisch sowie mental – zu haben, erscheint mir sehr erstrebenswert.

Immer wieder sah ich mich in meiner Wohnung und meinem Kleiderschrank um und dachte, „meine Güte, habe ich viel Kram!“. Ich hatte so viel und dachte, ich müsste mehr Schränke, Zimmer, Keller haben, um all die Dinge unterbringen zu können. Interessanterweise empfand ich diesen Zustand als sehr belastend. Dann wurde mir das Buch empfohlen, das gerade in aller Munde ist: Magic Cleaning von Marie Kondo. Sie ist professionelle Aufräumerin. Das klingt erst mal komisch, aber ich nahm an, ich habe nichts zu verlieren außer der monetären Investition in das Buch.

Von bestimmten Ausmist – Regeln hat jeder von uns gehört: z.B. wenn man ein Kleidungsstück ein Jahr nicht mehr anhatte, wegschmeißen. Oder: was man nicht wirklich braucht, kommt weg. Einer meiner Lieblingstipps ist: die Dinge, bei denen man sich nicht sicher ist, kommen in eine Kiste im Keller. Wenn man sie ein Jahr nicht angefasst hat, kommen sie weg.

Nun ja. Für mich hat das alles nie so wirklich funktioniert. Wenn ich die Ein-Jahres-Regel zum Beispiel auf mein Dirndl anwende, hätte ich es schon vor zwei Jahren entsorgen müssen. Aber ich gehe nun mal nicht jedes Jahr auf die Wies’n und das bedeutet im Umkehrschluss aber noch lange nicht, dass ich das Dirndl weggebe.

Also nun die berühmte Marie Kondo: Ich las es in zwei Tagen durch und konnte die Einfachheit ihrer Botschaft fast nicht glauben: Nimm den Gegenstand in die Hand und frage Dich, macht mich das Teil glücklich? Wenn ja, darf es bleiben (egal wie alt, unbenutzt oder ramponiert). Wenn nicht-sicher oder nein: weg damit. Stell Dir nun vor, Du hast einen Kaschmirpullover in der Hand: Wenn der erste Gedanke der letzte krasse Familienstreit ist, weil Du ihn da getragen hast: weg damit. Da nützt Dir das kuscheligste Kaschmir nix. Ebenso verhält es sich mit Schmuck, Bildern, Deko und ja: auch alten (Liebes-)briefen. Wenn negative Assoziationen hoch kommen: trenn Dich davon. Diese Regel kann man auf alle Besitztümer anwenden.

 

Indem Du Dinge behälst, die negative Emotionen hochkommen lassen, lässt Du diese Negativität in Deinem Leben. Du trennst Dich nicht von traurigen, anstrengenden, belastenden, unveränderbaren Dingen und erinnerst Dich dadurch regelmäßig selbst daran.

 

Wie viel besser ist es, sich nur und ausschließlich mit Dingen zu umgeben, die schöne Erinnerungen hoch kommen lassen? Die einen mit Freude füllen? Stell Dir vor, Deine ganze Wohnung ist nur noch mit Gegenständen gefüllt, die Dich an wundervolle Momente erinnern! Den letzten Sommerurlaub, Deine liebe Oma, Deine beste Freundin.

 

Sinnvollerweise beginnt man mit Kleidung und Schuhen: man holt sie aus allen Ecken, Schränken, Kisten, Kellern und Dachböden und sammelt sie in der Mitte des Raumes. Hiermit macht man sich zunächst einmal klar, wieviel man besitzt. Und dann nimmt man jedes Teil in die Hand, fühlt in sich hinein und entscheidet sich.

Ich habe die Dinge auf drei Stapel gelegt: behalten, verschenken und entsorgen (wenn ein Shirt zum Beispiel zu kaputt war, um es zu spenden).

Ich muss sagen, dass es mir am Anfang schwer gefallen ist, mich zu entscheiden. Aber man kommt langsam rein und irgendwann weiß man ganz genau, ob man einen Gegenstand weiter in seinem Leben haben möchte. Ich konnte mich sogar von Büchern trennen, was ich nie im Leben geglaubt habe. Aber durch diese Methode spendete ich Bücher, die zum Beispiel so traurig gewesen waren, dass ich sie ohnehin nie wieder lesen würde. Möbel konnte ich leider nicht entsorgen, da bin ich ehrlich.

 

Der Effekt dieser Entrümpelung war beeindruckend. Ich habe mein Auto drei Mal voll geladen (mit umgeklappten Rückbänken) und bin zum Sozialkaufhaus und zur Mülldeponie gefahren. In Anbetracht der Massen, die ich wegbrachte, nahm ich an, viel geschafft zu haben. Das Gefühl, mich im wahrsten Sinne von Altlasten befreit zu haben, beflügelte mich. Ich nahm mir auch vor, weniger zu konsumieren. Weniger Kleidung, Schuhe, Bücher, etc. und mich von Dingen, die mich nicht glücklich machen, zu trennen.

 

Ich muss aber auch ehrlich zu Dir sein. Ich habe eine kleine Kiste mit Erinnerungsstücken, die mich sehr traurig machen, in den Keller geräumt. Hierunter sind Fotos, Geschenke, aber auch meine alten Tagebücher. Ich denke, es gibt Dinge, die sind sehr persönlich und es ist wichtig, sie zu behalten. Meine Tagebücher sind Zeitzeugen und auch wenn in ihnen viel Trauriges steht, denke ich, dass sie für mich eine wichtige Erinnerungsstütze sind. Aber dadurch, dass diese kleine, unschuldige weiße Kiste im Keller steht, sehe ich diese belastenden Dinge nicht jeden Tag und kann somit auch die dazu gehörigen Emotionen ganz bewusst vermeiden.

 

 

 

Interessanterweise gewöhnt man sich aber sehr schnell an die vermeintliche Leere. Nach kurzer Zeit sehen die Regale doch wieder gefüllt aus, ebenso wie der Kleiderschrank wieder voll wirkt. Aber dabei hatte ich doch so viel weg gegeben?! Wie kann das denn sein? Ich ertappe mich dabei, meine Besitztümer anzusehen und mich zu fragen, was ich weg tun kann. Manchmal erdrückt mich mein Besitz gerade zu.

 

Doch wie kommt dieses Gefühl zustande? Warum ist aktuell in der westlichen Welt der Wunsch, weniger zu besitzen, so ausgeprägt?

 

Ich denke, dass wir zu viel besitzen: Zu viele Klamotten, Schuhe, etc. und das wir mit dem Konsum von noch mehr Dingen versuchen, eine Leere in uns zu füllen. Dies trifft meiner Meinung nach vor allem auf uns Frauen zu. Wir sind die perfekten Kundinnen. In uns ist das Stimmchen, dass besser, schöner, schlanker sein möchte und uns suggeriert, dass wir mit dem Makeup, der neuen Jeans, den neuen Schuhen besser, schöner und zufriedener sind. Das mag für eine kurze Zeit zutreffen, aber schnell meldet sich dieses Stimmchen ohnehin wieder.

Und mein Eindruck ist, dass eine neue Achtsamkeit Einzug in unsere Köpfe, in unsere Leben nimmt. Achtsamkeit, unserem inneren gegenüber: wie fühle ich mich, wie geht es mir. Brauche ich den Konsum wirklich oder fühle ich mich gerade ungeliebt?

Wie viele Kleidungsstücke hat man als Frau in seinem Kleiderschrank, weil man sich darin schlanker fühlte?

 

Ich habe nach dieser Feststellung ein völlig anderes Konsumverhalten. Ich überlege mir genau, was ich brauche. Und wie es mir geht. Sprich: wie ist meine emotionale Ausgangslage. Möchte ich mir etwas kaufen, weil ich erschöpft, gestresst bin oder weil ich wirklich ein Leinenkleid für den Sommer in meinem Schrank haben möchte?

Dadurch ist es mir gelungen, sehr viel weniger und sehr viel bewusster einzukaufen. Und jedes Teil, was in meinen Kleiderschrank eingezogen ist, mag ich wirklich.

 

Interessanterweise kann man das auch auf die neue Yoga Mode beziehen. Yoga Outfits schwemmen gerade den Markt. Teure Marken werden von den hippesten Yogalehrerinnen präsentiert. Natürlich denke ich manchmal auch, ob ich mich in der neuen Yogaleggings für 100€ schöner und selbstbewusster fühlen würde....und komme immer zu dem Schluss, dass die neue Yogaleggings oder das neue Yoga Shirt an meiner Praxis und meinem inneren Erleben des Yoga nichts verändern wird. Und kaufe nichts.

 

Was denkst Du über Konsum, Ausmisten und Minimalismus? Entrümpelst Du Deine Wohnung regelmäßig?

 

Habt eine schöne Woche,

Charlotte

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Aktuelle Einträge

October 15, 2018

October 6, 2018

September 30, 2018

September 20, 2018

August 13, 2018

Please reload

Archiv
Please reload

Schlagwörter
Please reload

Folgen Sie uns!
  • Facebook Basic Square
  • Twitter Basic Square
  • Google+ Basic Square

​© 2018 by CK YOGA