• Charlotte

Die Schattenseite des Wochenbetts

Die Postpartale Depression

Die postpartale Depression (kurz PPD) ist eine psychomentale Störung, die typischerweise in den ersten vier Wochen nach einer Geburt auftritt.

Gefährdet sind unter anderem Frauen, die in ihrem Leben schon einmal unter einer Depression gelitten haben oder eine traumatische Entbindung erleiden mussten. Unterscheiden muss man sie vom „Baby-Blues“, den bis zu 80% aller Mütter in den ersten Tagen nach der Geburt haben, der sich aber binnen weniger Tage wieder von selber gibt.

Leider gibt es in Deutschland kein systematisches Erfassen und Diagnostizieren der PPD. Offiziell leiden bis zu 15% der Frauen darunter. Die Dunkelziffer dürfte aber viel höher sein, da viele betroffene Frauen keine Hilfe suchen. Häufig sicherlich, weil ihnen nicht bewusst ist, was los ist. Aber ein wichtiger Grund ist auch, weil Scham eine große Rolle spielt. Gefühle, die man als Mama haben soll, wie z.B. die überschwängliche Liebe für das eigene Baby und Glücksgefühle, bleiben aus, und die Mamas, die alles richtig machen wollen, schweigen, weil sie Schuldgefühle haben.

Ich litt unter einer PPD und wusste es selbst nicht, obwohl ich es als Ärztin eigentlich besser wissen müsste. Meine Umgebung ahnte nichts, weil ich funktionierte. Die Ärzte und Hebammen erkannten es auch nicht, weil sie nicht fragten.

Ich behandelte meine PPD eher zufällig, weil ich chinesische Medizin zur Rückbildung einnahm. Etwa vier Wochen später fand ich meine Tochter das erste Mal niedlich. Und zwar nicht nur rational, sondern ich fühlte es. Das erste Mal regten sich Muttergefühle. Zu diesem Zeitpunkt war meine Tochter schon vier Monate alt.

Grundsätzlich gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten: Medikamente (die leider häufig nicht mit Stillen vereinbar sind), eine Gesprächstherapie, Selbstfürsorge wie Yoga oder die traditionelle chinesische Medizin (die mir sehr geholfen hat).

Es gibt einen sehr guten Artikel im Deutschen Ärzteblatt, der eine kurze Checkliste beschreibt, mit der eine geschulte Person (Hebamme oder Frauenarzt/-ärztin) ein kurzes Screening machen kann, ob die junge Mutter unter einer PPD leiden könnte. Damit kann man all die armen, allein gelassenen Frauen heraus filtern, die Hilfe brauchen.

Jede Frau kann auch einen Selbsteinschätzungsbogen der Initiative Schatten & Licht ausfüllen und das Ergebnis mit der Hebamme oder dem Arzt besprechen.


Ich verstehe nicht, warum das nicht systematisch erfasst wird. Ich möchte nicht, dass es einer anderen Frau so ergehen muss wie mir. Als ich diese Checkliste ausfüllte, ging es mir subjektiv schon sehr viel besser. Dennoch erzielte ich einen sehr hohen Punktwert, der eine dringende weitere Abklärung zur Folge gehabt hätte. Ich möchte gar nicht wissen, was mein erster Punktwert gewesen wäre.

Deswegen bitte ich alle jungen Mamas da draußen, diese Checkliste beim 6 Wochen Termin mit der Frauenärztin/ dem Frauenarzt oder mit der Hebamme auszufüllen.


Keine Mama soll sich so fühlen müssen wie ich. Lasst Euch helfen, bitte.


Bei Fragen könnt Ihr Euch gerne an mich wenden.

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